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Der Mensch muss, will er überleben, oder lediglich erfolgreich sein, sich um sein Leben und sich selbst kümmern. Dabei wäre eine Rücksichtnahme auf andere Menschen nicht im Sinne dieser Ethik. Es ist eine logische Folge und eine reine Frage der Vernunft, unabhängig von Moral und Weltgeschehen, seinen eigenen Vorteil zu suchen. Damit einhergeht eine Anmaßung und Selbstüberschätzung, die sich aus dem Getrenntsein mit der Welt ergibt, neues Leid und Übel im Übermaß produziert und den Menschen so zu einer Quelle seines eigenen Schmerzes macht. Diese Tatsache, aber auch das Bewusstsein um den Tod, wird innerhalb eines neugeborenen Selbstbewusstseins einfach ausgeblendet. Was das Gehirn nicht sehen möchte wird nicht für voll genommen. Die Augen schweifen einfach vorbei. Die Flut der Sinne sowie der Gang der Illusionen und Erscheinungen der Wirklichkeit lassen auch oft und schlicht keine Zeit sich von seinem Ich abzuwenden. Zu sehr ist der moderne Mensch damit beschäftigt den Versuchungen der sinnlichen Welt Folge zu leisten. So wird das Wesen zu einem Teufel, der nicht wie Gott, sondern in seinem Hochmut höher als Gott sein möchte. Mit dem Glauben an Wissenschaft und Empirie im Rücken glaubt der Mensch alles aus seiner Vernunft objektiv und logisch ableiten zu können. Nur Illusionen die den Systemen des Gehirns gefallen werden beachtet.
Die Trennung von seinem Ursprung macht nun aus dem Menschen in dieser Welt ein zutiefst zerrissenen Wesen, das in seinem Denken ständig die Trennung erlebt und die Einheit ersehnt, in gleichzeitiger und ständiger Präsenz der Gegensätze. Die Ungeteiltheit des Seins im ersten Zustand vor der Geburt wird mit den eigenen Gedanken aus dem ein falscher Wille nach Freiheit drängt ausgelöscht. Das damit wachsende Selbstbewusstsein löst die Einheit auf. Seit diesen Geschehnissen in der Achsenzeit versucht der Mensch verzweifelt die Zersplitterung wieder zu einem Ganzen zusammen zu setzen. Die entdeckten Mittel zur Bekämpfung dieser Tatsachen reichen paradoxerweise von einer dritten Denkstufe die auf das Denken und Nachdenken folgt, dem vernünftigen Nachdenken, was ja zu einer weiteren schlimmen Verwirrung führen muss, bis hin zu fein ausgearbeiteten Methoden der Vereinheitlichung und Meditationstechniken, die als eigentlich vernünftiger Weg heraus aus dem Dilemma gelten sollten.
Die Vorstellung all unsere Erinnerung, zum Beispiel durch einen Schlag auf den Kopf, zu verlieren, ist mit der vergleichbar, mit der wir morgens aufwachen: Wir wissen nicht wer wir sind. Genauso wenig erinnern wir uns auch nicht an unsere eigentliche Natur die uns vor unserer Geburt zu eigen ist. Also laufen wir aufgeregt umher und versuchen verzweifelt zu improvisieren. Dabei schaffen wir uns mit Hilfe unseres Selbstbewusstseins eine Identität, die sich aus Versatzstücken des Wahrgenommenen zusammensetzt und daher immer auch eine fremde Identität ist. Diese Identität ist das Ich das unser wahres Selbst überdeckt. Daher kommt unser Festklammern, unser Greifen-Wollen und Sehnen nach allem was unserer Selbstentwicklung zuträglich ist. Wir würden sterben für so manchen weiteren Moment, ignorieren aber, das er nur eine weitere erlebte Fiktion unserer Existenz ist und es sich nicht lohnt daran festzuhalten. Es ist ein Scharlatan-Selbst zu dem uns das Selbstbewusstsein führt und ich kann hier nur eindringlich davor warnen: Traue dir selbst nicht!
Die trügerischen Sinne betreiben Völlerei und sind die eigentlich Architekten unseres Ich. Damit ist es eine Tatsache, dass der Boden von allem worüber wir uns so gerne definieren als moderne Menschen eine reine Illusion und von vorne herein sinnlos sowie zum Scheitern verurteilt ist. Eigentlich wissen wir das ganz genau das alles eine Täuschung ist, aber seltsamerweise verstärkt dieses Wissen nur den Reiz nach der Illusion zu greifen und führt nicht automatisch zu einem Innehalten. Daraus resultiert eine Vielzahl von Unsicherheiten und Ängsten. Im schwierigen Alltag wird unser Selbstbewusstsein manipulierend geschliffen, so dass es uns am Ende sogar glauben lässt, dass die Interessen unseres künstlichen Ichs auch unsere eigenen sind und das unser Überleben nur gesichert ist, wenn wir unser Selbstbewusstsein weiter füttern. So sind wir weiterhin die Opfer dieser fatalen Entwicklung und mit der Zeit versetzt uns der pure Gedanke an eine Ichlosigkeit, also an eine Abwesenheit des Selbstbewusstseins, in pure Panik. All die sinnlichen Genüsse des Mensch seins würden ja so verloren gehen. Wir sehen durch das Drama der Vergänglichkeit die Lügen des Egos aber erblicken keine Alternative. So lassen wir uns walten und verstricken uns weiter in dem Selbst, das sich von der Welt abgrenzt. Wir sind Junkies der härtesten Droge der Welt und schaffen zugleich die größte Bedrohung der Welt: unser eigenes Selbstbewusstsein.
Diesem beschriebenen Kreislauf von selbst erschaffenem Leid stehen verschiedenen Konzepte der Befreiung und Erlösung gegenüber, denn die Sehnsucht und Hoffnung darauf wurde uns bei der Geburt des Selbstbewusstseins mitgegeben, als wir entdeckten das wir zwar anders, aber im Kern doch aus der gleichen Substanz bestehen, die ständig im Ganzen als verborgener Schimmer herab regnet. Eine Flucht aus dem Gefängnis unserer Existenz sollte also gewagt werden. Daran zu glauben lohnt langfristiger als an sich selbst zu hängen. Loslassen!